Anwendungsbereich der DIN EN 15635
Die DIN EN 15635 gilt für alle ortsfesten Regalsysteme aus Stahl, die in gewerblich genutzten Räumen aufgestellt sind. Sie deckt den gesamten Lebenszyklus ab – von der Aufstellung über die Nutzung bis zur Demontage.
Die Norm gilt für:
- • Palettenregale (Schwerlastregal)
- • Fachbodenregale
- • Kragarmregale
- • Weitspannregale
- • Einfahrregale
- • Durchlaufregale
- • Hochregale und Mehrgeschossanlagen
- • Verschieberegale (im stationären Zustand)
Die Norm gilt NICHT für:
- • Mobile Regale (z.B. Rollregale während der Bewegung)
- • Private Haushaltsregale
- • Regale aus anderen Materialien (Holz, Kunststoff)
- • Automatische Lagersysteme (eigene Normen)
Aufbau der DIN EN 15635
Die Norm ist in mehrere Kapitel gegliedert, die aufeinander aufbauen. Hier ein Überblick über die wichtigsten Inhalte:
Anwendungsbereich & Begriffe
Geltungsbereich (ortsfeste Stahlregale), Verweise auf EN 15512/15620/15629 sowie Begriffe wie zulässige Belastung, Fachlast, Feldbelastung und kompetente Person.
Betrieb, Montage & Änderungen
Anforderungen an den Betrieb und die Planung, Montage/Installation und die dafür notwendigen Fähigkeiten sowie Regeln bei Änderungen an der Regalanordnung.
Nutzung der Lagereinrichtung
Beauftragter für die Lagersicherheit, Belastungswarnhinweise (Tragfähigkeitsschilder), Schulung, Beladung, Anforderungen an Paletten und Freiräume, Absetzen von Lasten.
Sicherheit im Gebrauch & Schadensbewertung
Kernstück der Norm: Kontrolle/Inspektion (§9.4 – Sofortmeldung, wöchentliche Sichtkontrolle, Experteninspektion in Abständen ≤ 12 Monate), Gefahrenstufen Grün/Orange/Rot (§9.5), Trägerbewertung (§9.6) und Reparatur (§9.7).
Erneute Sicherheitsprüfung
Änderungen, die eine nochmalige Sicherheitsprüfung des Lagerbetriebs erfordern.
Informative Anhänge
Verantwortlichkeiten des Lieferanten, Beispiele für Belastungswarnhinweise sowie Hinweise zu Paletten und Hintergrundinformationen.
Das Ampelsystem der Schadensklassen
Ein Kernstück der DIN EN 15635 ist das Ampelsystem zur Schadensklassifizierung. Jeder bei der Prüfung festgestellte Schaden wird einer von drei Kategorien zugeordnet, die unterschiedliche Maßnahmen erfordern.
Grün: Beobachtungsbedarf
Grenzwerte nach §9.5 eingehalten – keine unmittelbare Gefahr
Maßnahme: Nutzung möglich, Dokumentation, bei nächster Prüfung erneut kontrollieren
Typische Beispiele:
- Stützenbiegung ≤ 5,0 mm (Trägerrichtung) bzw. ≤ 3,0 mm (Rahmenebene) auf 1 m
- Lotabweichung ≤ L/200
- Oberflächliche Kratzer ohne Materialverlust
Gelb: Reparatur erforderlich
Grenzwert um weniger als Faktor 2 überschritten – Tragfähigkeit beeinträchtigt
Maßnahme: Kennzeichnen, entlasten und nicht wieder beladen, Bauteil innerhalb von 4 Wochen austauschen (sonst Rot)
Typische Beispiele:
- Stützenbiegung > 5,0 bis < 10,0 mm auf 1 m
- Verbogene, aber noch vorhandene Sicherungsstifte
- Einzelne gelockerte Verankerung
Rot: Sofortige Sperrung
Grenzwert um Faktor 2 oder mehr überschritten, oder Riss/Bruch
Maßnahme: Regal sofort sperren, entlasten, absperren. Reparatur vor jeder weiteren Nutzung
Typische Beispiele:
- Stützenbiegung ≥ 10,0 mm auf 1 m (≥ Faktor 2)
- Risse/Sprünge oder gerissene Schweißnähte
- Fehlende Sicherungsstifte
Wichtig: Die Schadensklassifizierung muss durch eine befähigte Person erfolgen. Die konkrete Zuordnung erfordert Erfahrung und Fachwissen – bei Zweifeln immer die höhere Schadensklasse wählen.
Ihre Pflichten als Betreiber
Als Betreiber von Regalanlagen sind Sie für den sicheren Betrieb Ihrer Regale verantwortlich. Die Rechtspflichten ergeben sich aus BetrSichV und ArbSchG; die folgenden Abschnitte der DIN EN 15635 beschreiben, wie diese Pflichten im Alltag umzusetzen sind. Einzelne Aufgaben können Sie per schriftlicher Pflichtenübertragung (§ 13 ArbSchG) auf zuverlässige und fachkundige Personen übertragen – die Verantwortung für deren sorgfältige Auswahl, Einweisung und Überwachung bleibt jedoch bei Ihnen.
Jährliche Expertenprüfung
In Abständen von nicht mehr als 12 Monaten muss eine Inspektion durch eine fachkundige (befähigte) Person erfolgen.
Wöchentliche Sichtprüfung
Regelmäßige visuelle Kontrolle auf offensichtliche Schäden – wöchentlich bzw. im Intervall der Risikobeurteilung.
Dokumentation
Zu den Sichtkontrollen ist ein formaler schriftlicher Bericht aufzubewahren; Schäden und Maßnahmen sind aufzuzeichnen.
Tragfähigkeitsschilder
Anweisungen zur zulässigen Belastung sind an markanter Stelle, gut sichtbar und haltbar anzubringen.
Mitarbeiterschulung
Personal, das mit Regalen arbeitet, muss in der sicheren Nutzung unterwiesen sein.
Verwandte Normen & Vorschriften
Die DIN EN 15635 steht nicht allein. In Deutschland wird sie durch Rechtsvorschriften und Handlungshilfen ergänzt. Hier ein Überblick:
DGUV Information 208-043
„Sicherheit von Regalen“ – die regalspezifische Handlungshilfe der DGUV
DGUV Information 208-061
„Lagereinrichtungen und Ladungsträger“ – Handlungshilfe zur Umsetzung in Deutschland
DGUV Regel 108-007
Zurückgezogener Vorgänger – ersetzt durch die DGUV Information 208-061
BetrSichV
Betriebssicherheitsverordnung
TRBS 1203
Anforderungen an befähigte Personen
DIN EN 15512
Statische Anforderungen an Palettenregale
DIN EN 15620
Toleranzen, Verformungen und Freiräume
Fazit: Was bedeutet das für Sie?
Die DIN EN 15635 ist die anerkannte Regel der Technik für Betrieb und Prüfung von Regalen. Die Prüfpflicht selbst ergibt sich aus BetrSichV und ArbSchG; die Norm konkretisiert, wie sie zu erfüllen ist. Die wichtigsten Punkte:
- Expertenprüfung durch eine befähigte Person in Abständen von höchstens 12 Monaten
- Wöchentliche Sichtprüfung durch geschultes eigenes Personal
- Dokumentation aller Prüfungen und Maßnahmen
- Tragfähigkeitsschilder an jedem Regalfeld
- Sofortige Sperrung bei roten Schäden
Bonnema unterstützt Sie bei der Einhaltung aller Anforderungen – von der professionellen Regalprüfung bis zur Instandsetzung beschädigter Komponenten. Alles aus einer Hand.