Langgut mit Längen zwischen 6 und 12 Metern stellt Lagerverantwortliche vor besondere Herausforderungen. Ob Stahlrohre, Aluminiumprofile, Holzbalken oder Kunststoffstangen – diese Materialien lassen sich nicht einfach in Standardregale legen. Sie benötigen spezialisierte Lagersysteme, die sowohl die Länge als auch das Gewicht der Güter berücksichtigen.
In diesem Ratgeber erfahren Sie alles, was Sie für die optimale Lagerung von Langgut wissen müssen. Wir vergleichen die vier wichtigsten Regalsysteme, zeigen Ihnen, welches System für welche Anwendung am besten geeignet ist, und geben Ihnen praktische Tipps aus über 30 Jahren Erfahrung in der Lagertechnik.
Warum ist Langgutlagerung so anspruchsvoll?
Wer zum ersten Mal mit der Lagerung von Langgut konfrontiert wird, unterschätzt oft die Komplexität dieser Aufgabe. Im Gegensatz zu Palettenwaren oder Kleinteilen bringt Langgut eine Reihe von Herausforderungen mit sich, die spezielles Know-how erfordern.
Die Längendimension
Ein 12-Meter-Stahlrohr lässt sich nicht einfach in die Ecke stellen. Es benötigt durchgehende Auflageflächen, die ein Durchhängen verhindern. Gleichzeitig muss das Regal selbst diese Länge unterstützen, was besondere Anforderungen an die Statik stellt. Viele Standardregale sind für solche Längen schlicht nicht ausgelegt.
Das Gewicht
Langgut ist oft schwer. Ein Bündel Stahlrohre mit 12 Metern Länge kann schnell mehrere Tonnen wiegen. Das bedeutet: Das Regalsystem muss nicht nur lang genug sein, sondern auch die entsprechende Tragfähigkeit aufweisen. Gleichzeitig muss die Be- und Entladung sicher und ergonomisch möglich sein – was bei solchen Gewichten nicht trivial ist.
Sicherheitsrisiko bei falscher Lagerung
Der Zugriff
Im Arbeitsalltag müssen Sie oft auf bestimmtes Material zugreifen – und zwar schnell. Wenn Sie jedes Mal alle anderen Stangen aus dem Weg räumen müssen, um an das gewünschte Profil zu kommen, kostet das Zeit und Geld. Moderne Langgut-Lagersysteme lösen dieses Problem durch intelligente Zugriffskonzepte.
Die Sortierung
In den meisten Betrieben lagern nicht nur eine Sorte Langgut, sondern viele verschiedene: unterschiedliche Materialien, Querschnitte, Längen und Qualitäten. Eine übersichtliche Sortierung ist entscheidend, um Fehlgriffe zu vermeiden und die Kommissionierung zu beschleunigen.
Die richtige Lagerlösung kann Ihre Kommissionierzeit um bis zu 70% reduzieren und gleichzeitig die Lagerkapazität verdoppeln.
Die vier Lagersysteme für Langgut
Für die professionelle Lagerung von Langgut zwischen 6 und 12 Metern haben sich vier Regalsysteme etabliert, die jeweils ihre eigenen Stärken haben. Welches System für Sie das richtige ist, hängt von Ihrem Material, Ihren Prozessen und Ihren räumlichen Gegebenheiten ab.
1. Das Roll-aus-Regal (Kassettenlager)
Das Roll-aus-Regal ist die Premium-Lösung für die Langgutlagerung und wird von den meisten Stahlhändlern und Metallverarbeitern bevorzugt. Das Prinzip ist einfach und genial: Das Material lagert in Kassetten, die auf Rollen gelagert sind und sich seitlich aus dem Regal herausfahren lassen.
Wie funktioniert es?
Stellen Sie sich das Regal wie eine Kommode vor, deren Schubladen Sie herausziehen können – nur eben in der Größenordnung von 12 Metern Länge und mehreren Tonnen Gewicht. Das Langgut liegt in sogenannten Kassetten, die auf einem Rollensystem gelagert sind. Per Handkurbel, Elektroantrieb oder Kran werden die Kassetten seitlich aus dem Regal gefahren, sodass Sie von oben oder von der Seite beladen können.
Kassetten-Typen
- CC-Kassette: Geschlossene Kassette für Kleinmaterial
- OC-Kassette: Offene Kassette für schweres Langgut
- PC-Kassette: Kassette mit Prismen für Rundmaterial
- RC-Kassette: Rollbare Kassette für manuellen Betrieb
Vorteile des Roll-aus-Regals
- 100% Direktzugriff: Jede Kassette ist einzeln erreichbar, ohne andere zu bewegen
- Maximale Übersicht: Das Material ist beim Ausfahren komplett sichtbar
- Hohe Tragfähigkeit: Bis zu 5.000 kg pro Kassette möglich
- Perfekte Sortierung: Jede Kassette kann einem Material zugeordnet werden
- Schonende Lagerung: Das Material wird nicht beschädigt
Nachteile und Einschränkungen
- Höhere Investitionskosten als einfache Regalsysteme
- Benötigt seitlichen Freiraum zum Ausfahren der Kassetten
- Installation erfordert professionelle Montage
Aus der Praxis
— Klaus W., Produktionsleiter Metallbau
Ideal geeignet für:
- Stahlhandel mit vielen verschiedenen Profilen
- Metallverarbeiter mit häufigem Materialzugriff
- Betriebe mit begrenzter Hallenfläche, aber ausreichend Höhe
- Unternehmen, die Wert auf schnelle Kommissionierung legen
2. Das Auszugregal (Teleskop-Auszug)
Das Auszugregal funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie das Roll-aus-Regal, bietet aber eine Alternative für Situationen, in denen der seitliche Platz begrenzt ist. Statt auf Rollen lagert das Material auf Teleskop-Auszügen, die sich nach vorne aus dem Regal herausziehen lassen.
Das Prinzip
Stellen Sie sich einen Schrank vor, dessen Einlegeböden Sie zu sich herausziehen können. Die Auszüge funktionieren mit einem Teleskopsystem: Mehrere ineinander gleitende Schienen ermöglichen einen Auszug von bis zu 100% der Regaltiefen. Das bedeutet, das komplette Langgut wird nach vorne aus dem Regal gezogen und ist dann von oben frei zugänglich.
Vorteile des Auszugregals
- Platzsparend: Kein seitlicher Freiraum erforderlich
- Einfache Bedienung: Intuitive Handhabung ohne Schulung
- Günstigere Investition: Niedrigere Anschaffungskosten
- Flexible Befüllung: Auszüge können mit Kran oder Stapler beladen werden
Tragfähigkeit beachten
Ideal geeignet für:
- Werkstätten mit begrenztem Platzangebot
- Materialien mit mittlerem Gewicht
- Betriebe, die Langgut mit Kran be- und entladen
- Situationen, in denen der Auszug nach vorne günstiger ist als zur Seite
3. Das Kragarmregal
Das Kragarmregal ist der Klassiker der Langgutlagerung und findet sich in nahezu jedem Industriebetrieb, der mit längeren Materialien arbeitet. Das Prinzip ist denkbar einfach: Von einer vertikalen Stütze ragen horizontale Arme (Kragarme) ab, auf denen das Material aufliegt.
Aufbau und Funktionsweise
Ein Kragarmregal besteht aus vertikalen Stützen, die in regelmäßigen Abständen aufgestellt werden – typischerweise alle 1 bis 2 Meter. An diesen Stützen sind die namensgebenden Kragarme befestigt, die das Langgut tragen. Die Arme können in der Höhe verstellt werden, sodass sich das Regal flexibel an unterschiedliche Materialien anpassen lässt.
Vorteile des Kragarmregals
- Günstige Anschaffung: Niedrigste Investitionskosten aller Systeme
- Maximale Flexibilität: Armhöhen jederzeit anpassbar
- Einfache Erweiterung: Zusätzliche Felder schnell ergänzt
- Auch für Außen: Feuerverzinkte Ausführung für Außenlagerung
- Hohe Tragfähigkeit: Bis zu 2.000 kg pro Arm möglich
Nachteil: Kein Direktzugriff
Ideal geeignet für:
- Betriebe mit wenigen verschiedenen Materialien
- Außenlager für wetterfestes Langgut
- Situationen mit begrenztem Budget
- Materialien, die selten bewegt werden (Langzeitlagerung)
4. Das Wabenregal
Das Wabenregal ist eine Spezialität für die Lagerung von Rundmaterial wie Rohren, Stangen und Profilen mit rundem Querschnitt. Der Name kommt von der wabenähnlichen Struktur der Lageröffnungen.
Das Konzept
Stellen Sie sich eine Wand mit runden Öffnungen vor – ähnlich wie Bienenwaben. In jede Öffnung wird ein Rohr oder eine Stange von vorne eingeschoben. Die Waben sind so dimensioniert, dass das Material sicher hält, aber auch leicht entnommen werden kann. Das Ergebnis ist ein kompaktes Lagersystem, bei dem jedes einzelne Rohr direkt zugänglich ist.
Vorteile des Wabenregals
- Perfekt für Rundmaterial: Optimale Lagerung ohne Wegrollen
- Direktzugriff: Jedes Rohr einzeln entnehmbar
- Sehr kompakt: Optimale Raumausnutzung
- Übersichtlich: Sofort sichtbar, welches Material wo lagert
Einschränkungen
- Nur für Rundmaterial geeignet
- Materialdicke muss zu den Waben passen
- Weniger flexibel als andere Systeme
Praxis-Tipp
Die Systeme im direkten Vergleich
Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, haben wir die vier Lagersysteme in einer Vergleichstabelle gegenübergestellt. Die Bewertung basiert auf unserer Erfahrung aus hunderten Projekten.
| Kriterium | Roll-aus | Auszug | Kragarm | Waben |
|---|---|---|---|---|
| Direktzugriff | ★★★★★ | ★★★★☆ | ★★☆☆☆ | ★★★★★ |
| Tragfähigkeit | ★★★★★ | ★★★★☆ | ★★★★★ | ★★★☆☆ |
| Platzbedarf | ★★★☆☆ | ★★★★☆ | ★★★★★ | ★★★★★ |
| Investitionskosten | ★★☆☆☆ | ★★★☆☆ | ★★★★★ | ★★★★☆ |
| Flexibilität | ★★★★☆ | ★★★★☆ | ★★★★★ | ★★☆☆☆ |
| Kommissionier-Geschwindigkeit | ★★★★★ | ★★★★☆ | ★★☆☆☆ | ★★★★☆ |
Die billigste Lösung ist selten die wirtschaftlichste. Rechnen Sie immer die Gesamtkosten inklusive Zeitaufwand für die Kommissionierung.
Welches System ist das richtige für Sie?
Die Wahl des richtigen Lagersystems hängt von mehreren Faktoren ab. Hier eine Entscheidungshilfe basierend auf den häufigsten Szenarien:
Wählen Sie das Roll-aus-Regal, wenn...
- Sie viele verschiedene Materialien lagern (mehr als 20 Sorten)
- Sie häufig auf bestimmte Materialien zugreifen müssen
- Sie schwere Langgüter lagern (über 1.000 kg pro Bund)
- Schnelle Kommissionierung ein wichtiger Faktor ist
- Sie seitlich Platz haben (mindestens halbe Kassettenlänge)
Wählen Sie das Auszugregal, wenn...
- Der seitliche Platz begrenzt ist
- Sie mit Kran be- und entladen
- Die Materialien mittelschwer sind (unter 1.500 kg)
- Sie eine kostengünstigere Alternative zum Roll-aus-Regal suchen
Wählen Sie das Kragarmregal, wenn...
- Sie nur wenige verschiedene Materialien lagern
- Das Material selten bewegt wird
- Das Budget begrenzt ist
- Sie im Außenbereich lagern möchten
- Maximale Flexibilität bei der Armhöhe wichtig ist
Wählen Sie das Wabenregal, wenn...
- Sie ausschließlich Rundmaterial lagern
- Einzelentnahme wichtig ist
- Die Platzverhältnisse sehr beengt sind
- Sie eine sehr übersichtliche Sortierung benötigen
Aus der Praxis
— Bonnema Planungsabteilung
Von der Planung zur fertigen Anlage
Die Installation eines professionellen Langgut-Lagersystems ist ein Projekt, das sorgfältige Planung erfordert. Hier die wichtigsten Schritte:
Schritt 1: Bedarfsanalyse
Bevor Sie ein System auswählen, müssen Sie Ihren tatsächlichen Bedarf ermitteln:
- Welche Materialien lagern Sie? (Materialart, Längen, Querschnitte)
- Welche Mengen müssen gelagert werden?
- Wie häufig greifen Sie auf welches Material zu?
- Wie erfolgt aktuell die Be- und Entladung?
- Welche Fördermittel stehen zur Verfügung?
Schritt 2: Raumplanung
Vermessen Sie den verfügbaren Raum sorgfältig:
- Grundfläche in Länge und Breite
- Verfügbare Höhe (Kran, Beleuchtung, Sprinkler beachten!)
- Erforderliche Fahrwege und Fluchtwege
- Tore und Zugänge
- Bodenbeschaffenheit und Tragfähigkeit
Kostenlose 3D-Planung
Schritt 3: Systemauswahl und Konfiguration
Basierend auf der Bedarfsanalyse und Raumplanung wird das optimale System konfiguriert. Dabei werden festgelegt:
- Anzahl und Anordnung der Regalfelder
- Kassetten- bzw. Auszugsgrößen
- Tragfähigkeiten pro Ebene
- Antriebsart (manuell, elektrisch)
- Zubehör (Etikettierung, Beleuchtung, etc.)
Schritt 4: Lieferung und Montage
Die Montage eines Langgut-Lagersystems erfordert Erfahrung und sollte von Fachleuten durchgeführt werden. Die Montagezeit hängt von der Anlagengröße ab – rechnen Sie mit 1-3 Tagen für eine typische Installation.
Montage am Wochenende
Schritt 5: Einweisung und Dokumentation
Nach der Montage erhalten Ihre Mitarbeiter eine ausführliche Einweisung in die sichere Bedienung des Systems. Sie bekommen außerdem eine vollständige Dokumentation inklusive Tragfähigkeitsschildern und Wartungsanleitung.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet ein Langgut-Lagersystem?
Die Kosten variieren stark je nach System und Größe. Ein einfaches Kragarmregal für 6-Meter-Material beginnt bei etwa 2.000-3.000 Euro pro Feld. Ein Roll-aus-Regal mit mehreren Kassetten für 12-Meter-Langgut liegt typischerweise bei 15.000-40.000 Euro. Für ein verbindliches Angebot kontaktieren Sie uns mit Ihren Anforderungen.
Wie lange dauert die Lieferung?
Standardsysteme sind in 4-6 Wochen lieferbar. Sonderanfertigungen oder sehr große Anlagen können 8-12 Wochen benötigen. Bei dringendem Bedarf fragen Sie nach Express-Fertigung.
Kann ich ein bestehendes System erweitern?
Ja, alle unsere Systeme sind modular aufgebaut und können jederzeit erweitert werden. Bei der Erstplanung berücksichtigen wir auf Wunsch bereits mögliche Erweiterungen.
Welche Wartung ist erforderlich?
Roll-aus-Regale und Auszugregale sollten jährlich gewartet werden (Schmierung, Funktionsprüfung). Kragarmregale sind wartungsarm und benötigen nur eine jährliche Sicherheitsprüfung nach DIN EN 15635.
Bieten Sie auch Mietlösungen an?
Ja, wir vermieten Kragarmregale und andere Lagersysteme. Das ist besonders interessant für temporäre Projekte oder wenn Sie erst testen möchten, welches System zu Ihnen passt.
Fazit: Investition, die sich rechnet
Die richtige Lagerlösung für Langgut ist mehr als nur ein Regal – sie ist eine strategische Investition in die Effizienz Ihres Betriebs. Während die Anschaffungskosten auf den ersten Blick höher erscheinen als "einfach stapeln", rechnet sich ein professionelles System schnell durch:
- Reduzierte Suchzeiten und schnellere Kommissionierung
- Bessere Raumausnutzung und mehr Lagerkapazität
- Weniger Materialschäden durch sichere Lagerung
- Höhere Arbeitssicherheit und weniger Unfälle
- Professioneller Eindruck bei Kunden und Besuchern
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