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Technisches Wissen

Belastungsberechnung bei Palettenregalen

Fachlast, Feldlast, Rahmenlast: Wie Sie die Tragfähigkeit Ihres Palettenregals korrekt berechnen – mit Formeln, Beispielen und Sicherheitsfaktoren nach DIN EN 15512.

Lesezeit: 8 Min.Quelle: DIN EN 15512

Die korrekte Berechnung der Belastungswerte ist entscheidend für die Sicherheit und Langlebigkeit Ihres Palettenregals. Eine Überlastung führt im schlimmsten Fall zum Regaleinsturz – eine Unterbemessung hingegen verschenkt wertvolle Lagerkapazität.

Was ist die Fachlast?

Die Fachlast (auch: Ebenenlast) ist das maximale Gewicht, das auf einer einzelnen Regalebene lasten darf. Sie setzt sich zusammen aus:

Fachlast = Gewicht der Ladungsträger + Gewicht des Lagerguts

Einheit: Kilogramm (kg)

Was ist die Feldlast?

Die Feldlast ist die Summe aller Fachlasten eines Regalfeldes (zwischen zwei Ständerrahmen). Sie bestimmt die erforderliche Dimensionierung der Ständerrahmen.

Feldlast = Σ Fachlasten aller Ebenen + Eigengewicht der Traversen

Die Feldlast darf die maximal zulässige Last des Ständerrahmens nicht überschreiten.

Schematische Darstellung

Lastfluss im Palettenregal

1
Lagergut
Gewicht der Waren
2
Ladungsträger
Palette, Gitterbox
3
Traverse (Fachlast)
Horizontale Lastaufnahme
4
Ständerrahmen (Feldlast)
Vertikale Lastableitung
5
Fußplatte → Boden
Lasteinleitung in Fundament

Wichtige Hinweise

Gleichmäßige Verteilung: Lasten immer mittig auf der Traverse positionieren, nicht am Rand.

Sicherheitsreserve: Nutzen Sie maximal 80-90% der zulässigen Fachlast für den Regelbetrieb.

Kennzeichnung: Jedes Feld muss mit einem Traglastschild gekennzeichnet sein (DGUV 208-043).

Rechenbeispiele aus der Praxis

1

Beispiel 1: Standard-Europaletten

3 Europaletten à 800 kg Ladung pro Ebene

Berechnung

Palettengewicht3 × 25 kg = 75 kg
Ladungsgewicht3 × 800 kg = 2.400 kg
Fachlast75 + 2.400 = 2.475 kg
Ergebnis
2.475 kg Fachlast
Empfehlung
Traverse ≥ 3.000 kg (z.B. NEDCON CC1104015A)
2

Beispiel 2: Schwere Industriepaletten

2 Industriepaletten à 1.500 kg Ladung pro Ebene

Berechnung

Palettengewicht2 × 30 kg = 60 kg
Ladungsgewicht2 × 1.500 kg = 3.000 kg
Fachlast60 + 3.000 = 3.060 kg
Ergebnis
3.060 kg Fachlast
Empfehlung
Traverse ≥ 3.800 kg (z.B. NEDCON CC1304015A)
3

Beispiel 3: Feldlast-Berechnung

4 Ebenen mit je 2.000 kg Fachlast

Berechnung

Ebene 1 (Boden)2.000 kg
Ebene 22.000 kg
Ebene 32.000 kg
Ebene 42.000 kg
Feldlast gesamt4 × 2.000 = 8.000 kg
Ergebnis
8.000 kg Feldlast
Empfehlung
Ständerrahmen ≥ 8.000 kg Feldlast

Sicherheitsfaktoren nach DIN EN 15512

Die DIN EN 15512 schreibt Teilsicherheitsbeiwerte vor, die bei der statischen Bemessung berücksichtigt werden müssen. Diese Faktoren gewährleisten eine sichere Konstruktion auch bei ungünstigen Lastfällen.

FaktorAnwendungBeispiel
1,5Standard-Sicherheitsfaktor nach DIN EN 15512Bei 3.000 kg Nennlast: Statische Prüflast = 4.500 kg
1,4Teilsicherheitsbeiwert für ständige Lasten (γG)Eigengewicht der Konstruktion
1,5Teilsicherheitsbeiwert für veränderliche Lasten (γQ)Nutzlast (Paletten + Ladung)
1,1Materialsicherheitsbeiwert Stahl (γM)Festigkeitswerte des Stahls

Typische Berechnungsfehler vermeiden

Palettengewicht vergessen

Folge: 5-10% Unterbemessung

Immer Leergewicht der Palette addieren (EUR: 25 kg, Gitterbox: 85 kg)

Ungleichmäßige Lastverteilung

Folge: Lokale Überlastung

Last mittig auf Traverse, nie am Rand konzentrieren

Dynamische Belastung ignoriert

Folge: Vorzeitiger Verschleiß

Bei häufigem Ein-/Auslagern 10-15% Sicherheitsaufschlag

Eigengewicht der Traverse vergessen

Folge: Feldlast überschritten

Traversengewicht zur Feldlast addieren (ca. 15-30 kg/Stück)

Schnellreferenz: Palettengewichte

🇪🇺
Europalette
25 kg
1200 × 800 mm
🏭
Industriepalette
30 kg
1200 × 1000 mm
📦
Gitterbox (DB)
85 kg
1240 × 835 mm
🔵
CHEP-Palette
25 kg
1200 × 800 mm

Zusammenfassung

Fachlast

Gewicht pro Ebene (Palette + Ladung). Bestimmt die Traversendimensionierung.

Feldlast

Summe aller Fachlasten + Eigengewicht. Bestimmt die Ständerrahmendimensionierung.

Sicherheit

Faktor 1,5 nach DIN EN 15512. Maximal 80-90% der Nennlast im Betrieb nutzen.

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